Angezogene Gegensätze – zu den Bildern der Anna Härtelt // Attracted contrasts

Updated: 3 days ago



Die Faszination, die Anna Härtelts Tuschearbeiten beim Kennenlernen ihres Werkes auf mich ausübten, war das Wechselspiel das hier zwischen Objekt und Medium vorliegt. Das streng formale, konstruierte und kontrollierte Objekt Roboter wird durch die Darstellung mit dem impulsiv gefärbten Medium Tusche zum Leben erweckt:


Sie sind getriebene Geister im Takt von Null. Eins. Null. Null. Eins.

Es gibt keinen Willen, der sie verweilen lässt. Müßiggang können sie auf Knopfdruck buchstabieren. Ihr Moment wird seziert und nicht genossen.

Anna Härtelt zeigt uns die Wesen neuester Technologie als dienende Gefährten, die die Imitation des Menschlichen wagen. Der Gegensatz, der entsteht, wenn die vom Impuls Entfernten in Tusche auf Papier als Verspielte erscheinen, sei eine Feier des Umsorgt werdens.

Mit konstruierten Augen, mit weichgemachten Lippen imitieren sie die Gezeiten von Liebe. Ihr

Schlafzimmerblick ist dimmbar.


In Anna Härtelts Aquarellen liegt für mich eine weitere Faszination – das Wechselspiel aus dem Ernst der Lage und dem Humor, als Rettung vor dem Wahnsinn der ernsten Lage:


Zeigt her eure Geister, zeigt her euer Ich.

Die Maske von Zweitausendzwanzig verhüllt und verhüllt nicht - wir sind die klugen Bauerstöchter.

Wir kleiden uns und kleiden uns auch nicht.

Anna Härtelt entdeckt Menschen, die die Maske von Zweitausendzwanzig neu erfinden. Sie deutet auf ein Verhüllen des Gesichtes bis kurz vor den Anklang des Verschleierns von Ich!Ich!Ich! In einer Zeit, die die Nacktheit und das Bad in Selbstsucht zum Gebet gemacht hat.

Wer also ist der alte weiße Mann, der über uns klugen Bauerstöchtern erhaben scheinend den König

geben will?


Anna Härtelt zeigt uns aber auch das Kindsein als eine Entdeckungsreise in ihren Aquarellen:

Entdecke und sei.


Wer du werden wirst, entdeckst du im Gewordensein. Gehversuch um Gehversuch. Freudenschrei um Freudenschrei.

Dein Weg liegt noch voller Glitzersteine, dir sind die Gartenbeete noch ein Königreich – ein Pferd ist,

was dich trägt und sich bewegt. Als Hymne ist dir jeder Singsang recht. Du greifst nach dem Fremden als einer lieben Hand. Die Zeit hast du erobert, wenn dir der Tag das Schlummerlied singt.

Entdecken macht klug, kleine Bauerstochter.

Bewahre es!


Nils Müller

(Jahrgang 1990) lebt und arbeitet als freier Autor in Leipzig.




Attracted contrasts - to the paintings of Anna Härtelt


The fascination that Anna Härtelt's ink works exerted on me when I became acquainted with her work was the interplay that exists here between object and medium. The strictly formal, constructed and controlled object robot is brought to life by the representation with the impulsively coloured medium ink:


They are driven ghosts in time with zero. One. Zero. Zero. One.

There is no will that makes them linger. Idleness can be spelled out at the touch of a button. Their moment is dissected and not enjoyed.

Anna Härtelt shows us the creatures of the latest technology as serving companions, who imitate

Human dare. The contrast that arises when those removed from the impulse appear in ink on paper as playful people is a celebration of being cared for.

With constructed eyes, with softened lips they imitate the tides of love. Their

Bedroom view is dimmable.


There is another fascination for me in Anna Härtelt's watercolours - the interplay between the seriousness of the situation and humour, as a rescue from the madness of the serious situation:


Show me your spirits, show me your ego.

The mask of two thousand and twenty does not and does not conceal - we are the clever peasant daughters.

We dress and do not dress.

Anna Härtelt discovers people who reinvent the mask of two thousand and twenty. She hints at a veiling of the face until just before the veilling of Me! Me! At a time when nudity and bathing in selfishness has become a prayer.

So who is the old white man who seems to be above us wise peasant daughters, who seems to have

wants to give?


But Anna Härtelt also shows us childhood as a voyage of discovery in her watercolours:

Discover and be.


Who you will become, you discover in becoming. Try to walk, try to walk. Cry of joy after cry of joy.

Your path is still full of glittering stones, your garden beds are still a kingdom - a horse is,

what carries you and moves you. As a hymn every singsong is fine for you. You reach for the stranger as a dear hand. You have conquered the time when the day sings the lullaby to you.

Discovering makes you wise, little farmer's daughter.

Preserve it!


Nils Miller

(born 1990) lives and works as a freelance author in Leipzig.



 
 

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